Das Repertory Grid-Verfahren, was mit Rollen-Konstrukt-Repertoire-Verfahren übersetzt werden könnte, ist ein Verfahren der differentiell psychologischen Diagnostik auf Basis der Theorie der persönlichen Konstrukte nach George A. Kelly. Es hilft Ihnen, wenn Sie ein möglichst unmittelbares Bild davon gewinnen möchten, in welchen Begriffen z. B. ein Team oder Teammitglied sein Erleben beschreibt, und wie es die „Dinge“ bewertet, die es tangieren. Ein Repertory Grid ist also ein Ausschnitt der erlebten und konstruierten Wirklichkeit eines Teammitglieds, Teams oder einer Organisation.

Das Repertory Grid als Meinungs- und Stimmungsbild des Teams

Das Verfahren ist konstruktivistisch-erkundend. Seine Stärke besteht darin, dass es auf typische Interview-Fragen verzichtet und jegliche Einschränkung vermeidet, die durch die (Ab-)Sicht des Interviewers üblicherweise entsteht. Ein Repertory Grid besteht aus vier Komponenten:

  • einem Thema, zum Beispiel „Teamanalyse“;
  • einigen Elementen; Elemente sind Beispiele oder Ausprägungen eines Themas. Dafür bewährt haben sich bei einer Teamanalyse etwa „Team heute“, „gutes Team“ oder „Team in zwei Jahren“ oder „John“, „Nico“ und „Nina“ als Teammitglieder;
  • den Konstrukten, die aus je zwei Konstruktpolen bestehen, und die anhand von Ähnlichkeitsvergleichen von je zwei Elementen ermittelt werden, sowie
  • den Bewertungen als Einordnung von Elementen auf einheitlichen Skalen zwischen je zwei Konstruktpolen.

Ein Konstrukt ist bei Repertory Grid ein Paar aus zueinander kontrastierenden Begriffen oder Aussagen, das einen Ausschnitt der Sprachwelt eines Menschen beschreibt. Das heißt konkret, dass etwa das Wetter als Element für ihn gerade „warm und sonnig“ im Kontrast zu „kalt und windig“ ist, oder das Team als Element gerade „träge“ im Gegensatz zu „entscheidungsfreudig“.

Konstrukte beschreiben subjektives Erleben im Team

Das direkte Gegenteil „freundlich – unfreundlich“ erklärt die Sichtweise eines Teammitglieds nicht näher, wohl aber zum Beispiel der Kontrast „freundlich – ungehobelt“. In die Konstrukte fließen beim Repertory Grid-Verfahren Haltungen und Motive, Bedeutungen und Wertungen der Interviewten ein: Der Team Spirit wird deutlich.

Ein Repertory Grid-Interview basiert auf einem vereinbarten Thema und einem vorher festgelegten Elemente-Set. Es erforscht im ersten Schritt die Konstrukte des Interviewten. Der Interviewer bittet den Interviewten darum, systematisch je zwei Elemente miteinander zu vergleichen: „Ähnlich oder verschieden?“ Ein Beispiel:

Auf die Frage „sind John und Nina ähnlich oder verschieden?“ Antwortet Nico: „ähnlich“. Die Frage „worin besteht für dich die Ähnlichkeit?“ Beantwortet er mit „sympathisch“, und als Kontrast dazu nennt er „verschlossen“. Damit ist das Konstrukt „sympathisch – verschlossen“ gewonnen. Hauptzweck der Elemente ist es, über Vergleiche Konstrukte zu gewinnen.

Bewertungen sind Abbildungen von Elementen auf Konstrukten

Im zweiten Teil des Repertory Grid-Interviews wird der Interviewte gebeten, Element für Element auf die Konstrukte abzubilden. Zwischen je zwei Konstruktpolen liegt eine 1-bis-5-Skala, auf der jedes Element anzuordnen ist. Hier ein Beispiel:

Der Interviewte wird gefragt, wo auf der Skala zwischen den Polen „sympathisch“ (entsprechend der 1 der Skala) und „verschlossen“ (5) er das Element „Team heute“ anordnen würde, und positioniert das Element bei 3. Rechts finden Sie eine visualisierte Darstellung des Verfahrens.

Diese Interviewtechnik führt schon in einem Team mittlerer Größe zu Hunderten von Konstrukten und Bewertungen, die über Algorithmen flexibel auswertbar sind und grafisch veranschaulicht werden können. Die congrid Teamanalyse und die congrid Organisationsanalyse sind Implementierungen des Repertory Grid-Verfahrens.

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