Wussten Sie, dass Belohnungen oder Bonuszahlungen, also Varianten extrinsischen Motivierens, Engagement reduzieren? Studien aus Harvard und dem Max-Planck-Institut in Leipzig an kleinen Kindern zeigen das eindrücklich. Kinder engagieren sich aus freien Stücken, wenn sie merken, dass Erwachsene Hilfe brauchen. Interessant: Auch wenn die Erwachsenen gar nicht darauf reagieren, bleibt das Engagement gleich. Das Erstaunliche ist aber, dass ihr Engagement aber deutlich nachlässt, wenn sie für ihr Engagment belohnt werden. Aus ihrem unbedingten Engagement wird ein bedingtes. Anders gesagt: Extrinsisch Motivieren korrumpiert.
Extrinsisch motivieren reduziert Engagement
Die Erkenntnisse sind deswegen wertvoll, weil Kinder die Welt im Unterschied zu Erwachsenen unvoreingenommen erleben. Übertragen auf Unternehmen, werden Mitarbeiter und ihre Führungskräfte also durch extrinsisch Motivieren nicht effektiv motiviert. Im Gegenteil: Extrinsische Anreize untergraben sogar ihre Motivation. Dazu passen die Ergebnisse des jährlichen Gallup Engagement Index, der ca. 80% der Beschäftigten eine nur eingeschränkte oder gar keine Motivation am Arbeitsplatz bescheinigt.
Dennoch bleiben viele Unternehmen erfinderisch darin, kostenintensive Anreizsysteme zu entwickeln und zu betreiben: Meist ist das extrinsisch Motivieren aus es-nicht-besser-Wissen. Dabei steckt hinter jedem Anreizsystem ein subtiles Misstrauensvotum. Es lautet: Ich vertraue nicht darauf, dass du von dir aus gerne Leistung erbringst. Anreize sind wenn-dann-Belohnungen. Manche Beschäftigte spüren das. Außerdem kosten Anreizsysteme oft richtig geld. Zudem berücksichtigen sie nicht, dass Menschen ganz unterschiedliche Motivationen mitbringen. Die Studien belegen: Äußere Anreize können intrinsische Motivation zersetzen, denn extrinsisch motivieren
- engt zum einen das kreative Denken ein, weil es auf die Belohnung fokussiert
- kann andererseits zu Tricks und unsozialem / unethischen Verhalten führen
- wirkt außerdem nur kurzfristig und kann daher abhängig machen
- kann schließlich der intrinsischen Motivation schaden.
Die Wirtschaft hinkt hinter der Wissenschaft hinterher
Sie können auch anders agieren dadurch, dass Sie die Schlüssel zur intrinsischen Motivation nutzen. Seit längerer Zeit schon weiß man, dass es drei Zutaten sind, die Menschen zu Höchstleistungen bringen: Selbstbestimmung, Perfektionierung und Sinnerfüllung. Damit speisen sich z. B. Open Source-Projekte wie z. B. Wikipedia oder Linux. Wie aber bringen Sie Menschen dazu? Unsere Erkenntnisse zur intrinsischen Motivation weisen Ihnen einen überzeugenden Weg hin zu mehr Selbstbestimmung, Perfektionierung und Sinnerfüllung.
Über den Autor
Michael Schwartz leitet das Institut für integrale Lebens-und Arbeitspraxis (ilea) in Esslingen. Der Diplom-Physiker arbeitete vor seiner Beratertätigkeit zwei Jahrzehnte als Führungskraft und Projektmanager in der Software-Industrie. Weitere Informationen über Michael Schwartz

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