Ein Manifest gegen den Zerfall unserer Gesellschaft

Paul Collier:
Sozialer Kapitalismus
Siedler 2019
20 EUR

Ein wichtiges Buch zum richtigen Zeitpunkt: Paul Colliers „Sozialer Kapitalismus“ zeichnet den Verfall unserer Gesellschaft nach und zählt zahlreiche praxisnahe Lösungsansätze auf. Die gesunde Mischung aus wissenschaftlicher Grundsatzorientierung und praktischer Realitätsnähe machen das Buch bereichernd und damit lesenswert.

Colliers Stil ist nüchtern und pragmatisch. Eines seiner zentralen Argumente ist, dass es auf der Welt wieder mehr gegenseitige Verpflichtungen geben muss. Sei es der Zerfall in den Gesellschaften, in der Familie, den Unternehmen oder „der Welt“ allgemein; gegen alle diese Zerwürfnisse gibt es Gegenmittel. Der Grundtenor aller praktischen Lösungen Colliers ist die Steigerung der gegenseitigen Verbindlichkeiten.

Weitere zentrale Perspektiven der Schrift sind die Vermittlung und die Mitte. Mit dem Wort „ideologisch“ und „extrem“ geht er keineswegs sparsam um. „Linke“ und „Rechte“ oder „Utilitaristen“ und „Rawlsianer“ bekommen dabei ihr Fett weg. Nur der Pragmatismus schaut, laut Collier, ideologiefrei auf die Welt und auf das, was gemacht werden muss. Da er häufig sehr konkret von diesen konstruierten Kategorien wie „die Linke“ oder „die Rechten“ spricht, kann man hier durchaus den Eindruck bekommen, dass dies eine etwas zu billige Reduktion von Komplexität darstellt. Allerdings ist die Stärkung der Mitte und das Kämpfen gegen die extremen Meinungen durchaus wichtig für das Gefühl der Zusammengehörigkeit in einer Gesellschaft, welches durch die modernen Echokammern zunehmend bedroht ist.

Bewertung

  • Mehrwert durch eine pragmatische und nüchterne Argumentation, gepaart mit ökonomischem Sachverstand
  • Collier ist Ökonom und gleichzeitig für neue Formen von Besteuerung
  • Positive Grundhaltung zum Kapitalismus, sofern er sozial ist